Alpiner Kultursommer - Stad Artistic - Greina 2004 - Pressestimmen
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29.06.2004: Südostschweiz - Ausgabe Graubünden Die "Terrianer" laden zum Kultursommer auf die Greina.

Die «Terrianer» laden zum Kultursommer auf die Greina

Kunst in einer grossartigen Naturlandschaft - ein Wider- und Zusammenspiel, das sich diesen Sommer auf der Greina erleben lässt. Die Sektion Piz Terri des Schweizer Alpen-Clubs hat 26 Kunstschaffende auf die Hochebene geholt.

VON JANO FELICE PAJAROLA

Sie ist noch nicht ganz verschwunden, die Schneedecke auf der Greina , die Ebene ein fleckiger Teppich, weiss-braun-grün-grau. Nur an den sonnenexponierten Hängen wagen Blumen zu blühen. Von Geschmolzenem gestärkte Wasserläufe mäandrieren dunkel über den Talboden. Es ist schon Juni, die Ebene aber hat ihre eigene Zeit. Sie wartet ab. Es pressiert nicht mit dem Sommer. Und die Wandernden, die finden ihre Wege auch über Schneefelder. Einige mit festem Tritt, berggewohnt, andere zögernd, rutschend, ausgleitend, sich wieder fangend. Die Route über den Diesrutpass zum schmalen Steg über den Rein da Sumvitg meistert man an diesem letzten Sonntag im Juni ohne Schwierigkeiten, das letzte Wegstück zur Terrihütte allerdings hält noch ein paar heikle Stellen für ungeübte Wanderer bereit. Bis man plötzlich an einen überraschenden Ort gelangt. Den Ort der jungen Kunstschaffenden Jacinta Candinas. «Sur dil vegnir e svanir» nennt er sich, «Vom Kommen und Vergehen», eine «malerisch-installative Spurensicherung». Und ob man will oder nicht: Schon hat er einen in Beschlag genommen, der Kultursommer 2004 auf der Greina.

Kurz vor dem Ablegen: Das Meer in der Val Sumvitg und weiter unten muss man sich in Mirko Baselgias «Utopia» dazudenken. Foto: Jano Felice Pajarola Kurz vor dem Ablegen: Das Meer in der Val Sumvitg und weiter unten muss man sich in Mirko Baselgias «Utopia» dazudenken. Foto: Jano Felice Pajarola.

Mit Bezug zur Hochebene

25 weitere Orte, wie jenen von Candinas, gibt es auf der Hochebene zu entdecken, im Raum Carpet la Greina, Muot la Greina und bei der Terrihütte der Sektion Piz Terri des Schweizer Alpen-Clubs (SAC ). Die Sektion ist es denn auch, die unter dem Patronat der Fundaziun da cultura Val Lumnezia diesen einmaligen Kulturanlass auf die Beine gestellt hat. Relativ spät im letzten Jahr - als schon Schnee auf der Ebene lag, jener, der auch jetzt noch nicht ganz verschwunden ist - haben die «Terrianer» eine jurierte Ausstellung mit Wettbewerb für bildende Kunst ausgeschrieben. Kulturschaffende wurden dazu aufgefordert, sich mit der Greina auseinander zu setzen; das Thema war frei wählbar, ein Bezug zur Hochebene musste aber ersichtlich sein.

Einladung zum Mitwirken

Die Auswahl der Werke für die Ausstellung oblag schliesslich einer bündnerisch-prominent besetzten Jury: Ida Bänziger als Mitglied der SAC -Kulturkommission, Gion A. Caminada, Architekt und ETH-Assistenzprofessor, Rita Lörtscher, Künstlerin und Psychologin aus Bellikon (Aargau), Abt Daniel Schönbächler, Mitglied der Bündner Kulturförderungskommission, Peter Schmid, Präsident der Fundaziun da cultura Val Lumnezia. Und in den vergangenen zwei Wochen, vor allem letzten Samstag, wurden die auserkorenen Werke rund um die Terrihütte von den Kunstschaffenden verwirklicht.
Während der ganzen Wandersaison stehen sie nun in der grossartigen Landschaft der Greina , finden sich mit ihr zum Wider- oder Zusammenspiel, laden ein zum aktiven Mitwirken. Zum Beispiel Kari Jollers «Antennenkreis», in den man sich hineinbegeben soll, um die Greina zu sehen, zu hören, zu spüren, zu riechen. «Versuche aus dieser Erfahrung heraus zu reagieren», rät Joller auf einem Täfelchen neben dem Kreis. Meditierend, tanzend, singend, summend, schreibend, zeichnend. In einer Gamelle hat Joller ein Notizbuch für Aufzeichnungen bereitgestellt. Nur die nötige Zeit dafür muss der Wandernde sich selbst nehmen.

Musse für den Rundgang

Überhaupt die Zeit: Rund zwei bis drei Stunden dauere der Gang durch die Ausstellung unter freiem Himmel, schätzt Leo Condrau, ein Mitorganisator des Kultursommers. Er rät den Besucherinnen und Besuchern deshalb, am ersten Tag bis zur Terrihütte zu wandern und sich am zweiten genügend Musse für den Rundweg um den Muot la Greina zu lassen. Denn in der Hütte selbst und in ihrer unmittelbaren Umgebung sind zwar viele Objekte und Installationen zu sehen, zum Beispiel Bryan Cyril Thurstons «Greina -Tektonik-Box» oder Mirko Baselgias poetisches Moosboot «Utopia» - aber auch weiter entfernte Kunstorte sind einen Abstecher wert. Am besten hält man sich also an die empfohlene Route. Die Wandernden sind übrigens dazu aufgefordert, am Schluss wieder in die Terrihütte zurückzukehren und dort ihr Lieblingswerk zu wählen. Im August nämlich werden nicht nur drei Preise der Jury an die Kunstschaffenden verliehen, auch das Publikum darf einen Sieger erküren (siehe Kasten).

Witzig, hintergründig, schön

«Ich beneide die Jury nicht um ihre Arbeit», meint Condrau. Und wer sich auf den Weg durch die Ausstellung begibt, wird ihm nicht widersprechen: Unter so vielen qualitativ hochstehenden Arbeiten einen Favoriten zu finden, ist nicht einfach. Mal ist es der Rückbezug auf die Landschaft, die einen fasziniert, mal der Witz, mal die schiere Schönheit eines Objekts - oder seine entlarvende Hintergründigkeit. Wer beispielsweise «Back Pack» von Rudolf Steiner und Barbara Meyer Cesta gesehen hat, wird sich so seine Gedanken machen: An einem immensen Felsbrocken sind die Träger eines kleinen Rucksacks angebracht. Machtlos, wer die Last zu tragen versucht.

Keine bleibenden Spuren ...

Vielleicht beschleicht den Betrachtenden sogar eine leise Trauer: darüber, dass die meisten dieser Objekte und Installationen nur für einen vergleichsweise verschwindend kurzen Zeitraum existieren werden. Die Ausstellung soll keine bleibenden Spuren hinterlassen - wenigstens in der Landschaft. In den Köpfen wird es sich nicht vermeiden lassen.



Preisverleihung im August jfp.- Der Höhepunkt des Kultursommers auf der Greina wird vom 20. bis 22. August stattfinden. Am Freitag, 20. August, konzertiert der international renommierte Perkussionist Fritz Hauser um 20 Uhr in der Mehrzweckhalle Vrin, danach wird Architekt und Kultursommer-Jurymitglied Gion A. Caminada ein Referat zum Thema «Landschaft und Mensch» halten. Den Abschluss des Abends bildet eine Diskussion unter der Leitung von Peter Schmid, Präsident der Fundaziun da cultura Val Lumnezia und ebenfalls Mitglied der Jury. Am Samstag, 21. August, zeigt Caminada ab 8 Uhr seine Bauten in Vrin, um 11 Uhr folgt eine Wanderung über den Diesrutpass auf die Greina.
Dort findet ab 16 Uhr bei der Terrihütte das zentrale Kulturereignis statt: Einer Lesung von Leo Tuor mit Musik von Flurin Caviezel folgt die Bekanntgabe der prämierten Werke sowie die Preisverleihung. Um 18.30 Uhr gibt es eine dramatische Lesung mit René Schnoz und Gian Rupf, um 20 Uhr ein Festmahl in der Terrihütte. Schliesslich kann man am Sonntag, 22. August, das Ausstellungsgebiet erkunden und dabei den Kunstschaffenden bei ihren jeweiligen Werken begegnen.


© Südostschweiz, Chur

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